Seit 2019 können Kinder und Erwanchsene gemeinsam mit André Soudah (aka Bienenandre) in Leipzig und Sachsen die faszinierende Welt der Bienen entdecken. Als Bienenpädagoge vermittelt er ganz praktisch, welche Bedeutung Bienen für ganze Ökosysteme und damit auch für den Menschen haben.
BNE-Portal: Was machen Sie und wie sind Sie dazu gekommen?
André Soudah: Unter der Marke „Bienenandre“ möchte ich Menschen die faszinierende Welt der Honigbienen, Wildbienen, Wespen und Hornissen näherbringen. Als Imker, Bienenpädagoge und Naturvermittler verbinde ich praktische Imkerei mit Umweltbildung und nachhaltigem Lernen. Ob in Schulen, Kitas, Unternehmen oder bei öffentlichen Veranstaltungen – mein Ziel ist es, Begeisterung für Natur, Artenvielfalt und nachhaltiges Handeln zu wecken. Der Honig selbst hat dabei eine eher untergeordnete Bedeutung für mich.
Zur Imkerei gekommen bin ich aus meiner großen Faszination für die Natur. Je mehr ich über Bienen gelernt habe, desto deutlicher wurde mir, wie wichtig sie für unsere Ökosysteme und unsere Ernährung sind. Aus einem Hobby entstand eine Leidenschaft und schließlich die Idee, mein Wissen weiterzugeben. Heute steht nicht nur die Honigbiene im Mittelpunkt, sondern das Verständnis dafür, wie alles in der Natur miteinander verbunden ist.
BNE-Portal: Wie funktioniert nachhaltiges Imkern?
André Soudah: Nachhaltiges Imkern bedeutet für mich, die Bedürfnisse der Bienen an erste Stelle zu setzen. Es geht darum, die Bienenvölker naturnah zu begleiten, regionale Kreisläufe zu stärken und verantwortungsvoll mit den Ressourcen umzugehen.
Dazu gehört beispielsweise, auf eine vielfältige Bienenweide aufmerksam zu machen, möglichst regional zu wirtschaften, die Gesundheit der Bienenvölker kontinuierlich zu fördern und nur so viel Honig zu ernten, wie die Bienen entbehren können. Gleichzeitig sehe ich nachhaltiges Imkern auch als Bildungsauftrag: Wer versteht, wie wichtig Bestäuber für unsere Umwelt sind, trifft oft bewusstere Entscheidungen im Alltag.
BNE-Portal: Welchen Effekt hat Ihr Projekt? Wie tragen Sie zu nachhaltiger Entwicklung und BNE bei?
André Soudah: Das Projekt schafft Begegnungen zwischen Menschen und Natur. Viele Kinder und Erwachsene erleben bei uns zum ersten Mal ein Bienenvolk aus nächster Nähe. Dadurch entstehen Verständnis, Wertschätzung und oft auch der Wunsch, selbst aktiv zu werden.
Bildung für nachhaltige Entwicklung bedeutet, Menschen zu befähigen, die Auswirkungen ihres Handelns zu erkennen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Genau hier setze ich an: Anhand der Bienen werden Themen wie Biodiversität, Klimawandel, nachhaltiger Konsum, regionale Wertschöpfung und ökologische Zusammenhänge greifbar und erlebbar.
Der größte Effekt zeigt sich häufig in kleinen Veränderungen: wenn Kinder zuhause bienenfreundliche Blumen aussäen, Familien bewusster einkaufen oder Unternehmen sich stärker für Artenvielfalt engagieren. Viele kleine Schritte können gemeinsam Großes bewirken.
BNE-Portal: Was war bisher Ihr schönster BNE-Moment?
André Soudah: Es gibt viele besondere Momente, aber besonders berührend sind die Augenblicke, in denen Kinder ihre anfängliche Angst vor Bienen verlieren und echte Begeisterung entwickeln. Einmal sagte ein Kind nach einem Besuch am Bienenstand: „Ich dachte immer, Bienen sind gefährlich. Jetzt weiß ich, dass sie unsere Freunde sind.“

Genau solche Erlebnisse zeigen, wie Bildung wirken kann. Wenn aus Unsicherheit Verständnis wird und aus Verständnis Wertschätzung entsteht, ist das für mich gelebte BNE. Diese kleinen Aha-Momente bleiben oft lange in Erinnerung und können sogar das spätere Handeln beeinflussen.
BNE-Portal: Welche Tipps können Sie anderen BNE-Akteurinnen und Akteuren geben?
André Soudah:
- Menschen lernen am besten durch eigene Erfahrungen. Schafft möglichst viele praktische und erlebbare Zugänge.
- Begeisterung ist ansteckend. Wer selbst für ein Thema brennt, kann andere leichter mitnehmen.
- Komplexe Nachhaltigkeitsthemen werden verständlicher, wenn sie anhand konkreter Beispiele aus dem Alltag erklärt werden.
- Vernetzung mit anderen Akteurinnen und Akteuren, denn gemeinsam lassen sich oft größere Wirkungen erzielen.
- Haben Sie Geduld. Nachhaltige Bildung ist nicht immer sofort sichtbar, sondern wirkt häufig langfristig. Jeder Impuls kann ein wichtiger Anstoß für späteres Handeln sein.
Und vielleicht der wichtigste Tipp: Zeigen Sie nicht nur die Herausforderungen, sondern auch die Lösungen. Menschen werden aktiv, wenn sie erleben, dass ihr eigenes Handeln etwas bewirken kann.
BNE-Portal: Herr Soudah, haben Sie vielen Dank für das Interview.
Kontakt: info@bienenandre.de
Internet: www.bienenandre.de