„Es gibt nur eine Erde. Und wir haben hier Kinder, die brauchen eine Zukunft.“
An der Freien Evangelischen Gemeinschaftsschule Radeberger Land hat Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) einen festen Platz im Schulalltag bekommen: Statt einzelne Stunden verteilt zu unterrichten, wurde der Freitag zum „BNE-Tag“ erklärt. „Wir wollten BNE nicht als Randthema, sondern als festen Bestandteil des Lernens etablieren“, erzählt die Leiterin der Sekundarstufe Sylvia Priebs. „Der Freitag ist kein freier Tag oder ein extra Tag, das ist alles Unterrichtsstoff. Aber eben gebündelt.“


Das Konzept orientiert sich am FreiDay-Modell und bündelt alle BNE-Inhalte an einem Tag. So können Schüler*innen der Jahrgangsstufen 5 bis 7 intensiv und praxisnah an nachhaltigen Projekten arbeiten. „Hätte ich BNE noch im Unterricht, würde mich das mehr stressen, den Fokus auf das Thema zu legen. Insofern finde ich es entspannter, weil der Freitag dafür da ist. Und wir uns da wirklich die Zeit nehmen können, die Projekte und Kinder zu unterstützen.“ erzählt Brigitte Tismer, Lehrkraft für Welt und Gesellschaft an der Schule.
Praktische beispiele und herausforderungen



Die Bandbreite der Projekte ist vielfältig: vom Wildbienen-Turm über Fairtrade-Aktionen bis hin zu sozialen Initiativen, etwa der geplanten Zusammenarbeit mit einem Altersheim, bei der die Kinder Zeit schenken und vorlesen. Müllsammelaktionen in der Heide, der Besuch eines Filmfestivals für Menschenrechte oder nachhaltiges Basteln zu Weihnachten ergänzen das Angebot. Besonders beliebt war das Projekt „Veggie-Burger“: „Die Kinder haben Bäckereien kontaktiert, Brötchen vor Ort gebacken, die vegetarischen Patties geplant – über mehrere Freitage hinweg – und am Ende wurde gemeinsam gegessen.“
Die Ergebnisse der Projekte werden regelmäßig vorgestellt – ein wichtiger Schritt, der das Selbstbewusstsein der Kinder stärkt und ihre Beteiligung fördert . „Der Austausch in der Gruppe ist ein zentraler Bestandteil, denn so erleben die Kinder, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird. “, erklärt die Lehrerin. „Nicht jeder macht alles, aber jeder bekommt alles mit“ ergänzt Sylvia Priebs. Langfristig sollen die Projekte immer mehr von den Kindern selbst ausgehen und gesellschaftliche Wirkung entfalten. Daneben arbeitet die Schule zusammen mit Kooperationspartner*innen wie dem Verein Cambio e.V. oder den Bildungsmaterialien von City4Future.
Die Schüler*innen nehmen den BNE-Tag zunehmend gut an: „Am Anfang war es ungewohnt, aber sie gewöhnen sich mehr und mehr daran“, berichtet Brigitte Tismer. „Das Klima-Team der 5. Klasse war nach einem Ausflug ins Hygiene-Museum besonders motiviert.“ Auch die Eltern unterstützen das Konzept aktiv: „Viele bringen sich ein, helfen bei Aktionen oder spenden Materialien. Sie wissen, wofür sie ihre Kinder angemeldet haben.“
Natürlich gibt es auch Herausforderungen: „In der 7. Klasse haben manche Schülerinnen und Schüler das Gefühl, den Stoff nicht zu schaffen“, erzählt die Lehrerin für Naturwissenschaften Anne Hieke. Deshalb wurde der Lehrplan genau aufgeteilt und der Unterricht so gestaltet, dass Inputphasen und selbstorganisiertes Lernen sich abwechseln. „Das ist für die Kinder manchmal ungewohnt, aber es funktioniert gut.“
Ein großes Thema bleibt die personelle Ausstattung: „Wir haben vier Klassen mit 60 Kindern, aber nur vier Lehrkräfte – das reicht nicht, um alle Projekte individuell zu begleiten“, schildert die Leiterin der Sekundarstufe Sylvia Priebs. „Eigentlich bräuchten wir mehr Lehrkräfte.“ Trotzdem gelingt es dank engagierter Eltern und motivierter Lehrkräfte, viele Projekte umzusetzen.
„Je mehr Schulen den FreiDay oder den Schwerpunkt auf BNE einführen, desto mehr wird sich auch das Schulsystem verändern. Der Fokus in der Bildung unserer Kinder sollte längst woanders liegen – nicht mehr nur auf reinem Auswendiglernen, sondern auf lebensnahem Lernen. Im Naturwissenschaften-Unterricht kann ich zum Beispiel erfahren, welche Auswirkungen CO₂ auf die Atmosphäre hat. Aber wenn ich nicht wirklich selbst aktiv werde und lerne, wie ich etwas verändern kann, bleibt dieses Bewusstsein ohne Wirkung.“ macht die Lehrerin Brigitte Tismer deutlich.

fazit
Für andere Schulen lautet der Rat: „Habt keine Angst vor BNE! Fangt klein an, tauscht euch aus und fördert auch den Austausch der Kinder.“
Die Lehrerin Anne Hieke fasst zusammen: „BNE ist eine gemeinsame Aufgabe, die nur gelingt, wenn die ganze Schulgemeinschaft dahintersteht. Schritt für Schritt kann man so etwas bewegen.“ Besonders wertvoll sind für sie Projekte, bei denen Kinder mit den Händen etwas schaffen können – wie das Wildbienen-Projekt mit Turm, Wiese und Hochbeeten.
Auch die Schüler*innen selbst schätzen den BNE-Tag: Lisa (11) erzählt, wie sie Klima-Comics gestalteten, die später auf T-Shirts gedruckt wurden. „Ich finde das wichtig, weil die Welt unter Müll und CO₂ leidet. Es ist gut, dass wir etwas für die Umwelt tun können.“
Dieses Beispiel zeigt, wie BNE praxisnah und gemeinschaftlich umgesetzt werden kann – und wie Kinder befähigt werden, an einer nachhaltigen Entwicklung mitzuwirken. Ein Modell, das auch andere Schulen ermutigen kann, den Einstieg zu wagen.