Wilderei in den Savannen Afrikas. Das Zusammenspiel von Macht, Geschäft und Korruption

Bis zu sechs Millionen Tonnen Wildfleisch (Engl.: bushmeat) werden jährlich in Zentralafrika gejagt. Doch spricht man über Wilderei in Afrika, so ist in der Regel nicht die traditionelle Jagd der afrikanischen Völker oder die Gewinnung von Wildfleisch für die menschliche Ernährung gemeint. Es geht hierbei hauptsächlich um die illegale Trophäenjagd und die kriminelle Gewinnung und Verwertung von Wildtierprodukten und deren Export, um einen Luxuskonsum außerhalb Afrikas zu bedienen. Durch illegale Geschäftemacherei mit Produkten  wie Elfenbein und Nashorn werden große Gewinne gemacht, die eng mit Schmuggel, Spekulation, Macht und Korruption und nicht selten mit bewaffneten Auseinandersetzungen verbunden sind.

Der Referent Dr. Fabian Haas (Jg. 1967) studierte von 1989 bis 1998 Biologie in Tübingen, Exeter, Paris und Jena. Nach der Promotion war er wissenschaftlicher Mitarbeiter in Ulm und Stuttgart, bevor er eine von der GIZ/CIM geförderte Position in Nairobi (Kenia) als angewandter Taxonom zur Insektenbestimmung annahm. Seit 2012 arbeitet er als freischaffender Photograph und Dozent in Leipzig. Während seines Aufenthalts in Kenia bereiste er zahlreiche Landstriche, darunter Gebiete am Turkanasee und Grenzregionen zu Südsudan und Äthiopien.

Es werden wirtschaftliche Strukturen und Verhältnisse besprochen, die kriminelle Wilderei in Afrika ermöglichen und vorantreiben. Vor allem Elefanten und Elfenbein stehen im Mittelpunkt. Elfenbeinschmuggel macht immer wieder auch international Schlagzeilen, z.B. auch durch die Elfenbeinverbrennungen in Kenia als symbolische Gegenaktion. Das Geschäft mit diesem Produkt blüht scheinbar besonders dort, wo es keine Elefanten (oder ihre Verwandten) gibt bzw. schon lange nicht mehr gibt, beispielsweise in China.

Bei der Wildfleischgewinnung betrifft nur ein kleinerer Teil, etwa 30 Prozent, bedrohte Tierarten. Dennoch ist die wachsende Verwertung von Wildfleisch für die menschliche Ernährung ökologisch bedenklich, trägt sie doch auch zur Ausdünnung der Wildbestände an Großsäugetieren (einschließlich Gorillas) bei, wobei die Artenvielfalt und das ökologisches Gleichgewicht in Frage gestellt werden. Die unregulierte Jagd für den Kochtopf ist hier also ein komplexes Phänomen, in dem Aspekte wie das Dargebot an proteinhaltiger Nahrung, Naturschutz, Markt, Wirtschaft und soziale Traditionen miteinander in widersprüchlicher Beziehung stehen. Die in kriminellen Bahnen verlaufende Wilderei für den Luxuskonsum aber spitzt die negativen Auswirkungen auf die tierischen Naturressourcen afrikanischer Staaten enorm zu und gefährdet den Bestand der betroffenen Tierarten auf extreme Weise.

Die enge Verknüpfung der Wilderei mit parasitären Vorgängen in Wirtschaft, Politik und in den sozialen Beziehungen macht die Wilderei im tropischen Afrika zu einem Gesellschaftsproblem.

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Format Buchbare Fort- und Weiterbildungen
Zielgruppe
außerschulischer Kontext Jugendliche, Erwachsene, Senior*innen
schulische Einrichtung Gymnasium
Themen Biodiversität, Wald und Boden, Globale Umweltveränderungen und Klimaschutz, Hunger, Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft, Nachhaltiger Konsum und Produktion, Vielfalt, Partizipation, Menschenrechte
Kosten 100,00
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Deutsch-Afrikanische Gesellschaft e.V. (DAFRIG)

Brockhausstraße 1304229Leipzig

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